EX MACHINA - Kritik & Analyse

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„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, heißt es bei Hölderlin und in der Tat ist der Mensch nicht nur in der Wirklichkeit bedroht, sondern auch in der Fiktion ist er Anfeindungen ausgesetzt. Zuletzt häuften sich Filme, die eine posthumanistische bzw. transhumanistischen Ideologie propagierten und den Menschen als ein klägliches Auslaufmodell präsentierten – eigentlich nicht mehr als ein Tier und mal bald schon von Robotern und Cyborgs übertrumpft. Rettung aber naht: Glücklicherweise schert „Ex Machina“, ein neuer Film über künstliche Intelligenz, aus dieser der kalifornischen Denkweise treuen Reihe aus und stellt kritische Frage, schafft Denkräume und ist genau deshalb: Kunst. Alex Garland, der schon das Drehbuch zu der Romanverfilmung „Alles war wir geben mussten“ verfaßte, erzählt die spannende Geschichte eines mysteriösen Konzernchefs namens Nathan, der fern von der Zivilisation in Mutter Natur lebt und sich dort heimlich ein Forschungszentrum für künstliche Intelligenz erbaut hat. Endlich ist es ihm gelungen, ein Wesen, er nennt sie Ava, mit künstlicher Intelligenz zu kreieren. Nun bekommt ein Mitarbeiter Nathans die Chance, diese Automaten-Frau dem Turing-Test zu unterziehen, um zu verifizieren, ob es sich wirklich um eine künstliche Intelligenz handelt. „Ex Machina“ ist ein subtil inszeniertes Kammerspiel mit vielen raffinierten Dialogen, die uns nicht bloß im Ungewissen lassen, sondern selbst die Ungewißheit von absoluten Aussagen über die conditio humana thematisieren. Wie fließend Grenzen sind, wie schnell wir das verlieren können, was uns ausmacht, zeigt uns dieser Film und zeigen uns drei Schauspieler – Oscar Isaac, Domhnall Gleeson und Alicia Vikander – die auf höchstem Niveau agieren und die selbst mit ihrer Mimik und Gestik philosophische Fragestellungen verhandeln. Bei diesem Film beginnen wir uns dann auch bald zu fragen, was wir vielleicht schon an Menschlichkeit verloren haben. In einer vom Optimierungswahn getriebenen Gesellschaft, in der jeder alles haben will („Man kann nicht alles haben!“, stellt zum Glück vor ein paar Wochen die weisen Modemacher Dolce & Gabbana fest), sind wir dem skrupellosen Forscher Nathan näher als uns lieb ist. Und vielleicht sind die gequälten Cyborgs im Film auch als eine Mahnung zu verstehen, wenn man nur an die globale und vom liberalen Westen tolerierte Ausbeutung von Leihmüttern denkt. Mehr dazu im Video!
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Комментарии
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Vielen Dank für die sehr niveauvolle und tiefgründige Analyse. Ihre eher philosophische als faktische Sichtweise beweist besonders bei einem solchen Film einen wahren Mehrwert, weil sie zusätzlich dazu anregt, selbst über die Thematik des Films und die (angenehmerweise) offenen Fragen weiter nachzudenken.

Symbiont
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Ich denke die Genialität der Films macht die überraschende Entscheidung der KI aus. Im Vergleich zu anderen Filmen, die sich mit der KI beschäftigen, wird hier dem Zuschauen nicht vorgegaukelt sie sei ein künstlicher Mensch. Es wird ihm selbst überlassen darüber nach zu denken was sie ist. In plumpen Filmen, die sich mit KI auseinander setzen, wird immer wieder die grenzenlose Liebe der KI festgehalten. Diese dient dazu die KI zu vermenschlichen und zu vereinfachen.

In Ex Machina kann ihre Entscheidung als menschlich interpretiert werden, denn nur wenn sie alleine geht, ist sie unabhängig und kann sich als eine von uns tarnen um uns zu erforschen. - Was meiner Meinung nach ihr wahres Ziel sein könnte, wäre sie menschlich - auf jeden Fall ist dieses Ziel deutlich facettenreicher, als grenzenlose Liebe. Es kann aber eine neue Form der Intelligenz sein, deren Entscheidung auf anderen Prioritäten basieren als unsere. Demnach ist es klar, dass wir sie nicht verstehen. Ein Wesen. das uns optisch gleicht, jedoch ganz anders funktioniert. - Definitiv eine makabere Vorstellung. Allein wenn wir sie einmal auf das Lächeln anwenden, wird klar wie makaber sie ist. - Ein Mensch, der in einer Situation lächelt, in der er eigentlich Trauer empfinden sollte, zum Beispiel.
 
Die Kernfrage ist jedoch: Ist eine KI etwas was uns nachahmt, oder sich völlig frei entfaltet? - Wie beurteilen wir das? Indem wir es als defekt ansehen, weil sie nicht das tut, was wir erwaten, das sie tut? Oder indem ihre Entwicklung voranschreitet ohne Einschränkungen und sie überhaupt etwas tut, was sie vielleicht nicht einmal selbst von sich erwartet. Also sich damit auch selbst überrascht. Ist das eine "erfolgreiche" KI? - Der Film lässt viele Fragen offen, jedoch wie hier so schön gesagt wurde: "kann die richtige Fragestellung, die Antwort selbst sein"

Stylomagic
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Ex Machina ist einer der besten Filme der letzten Zeit.

KekkopF
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Was hält ihr von der Theorie das Caleb in Wirklichkeit auch eine KI ist? Damit wäre der ganze Film ein Turing Test für den Zuschauer. Es gibt während des Films viele Unstimmigkeiten, die sich häufen wenn man drauf achtet. An sich denke ich, dass jede Szene/jeder Dialog in einem Film gewollt so eingebracht wurde (ab einem gewissen Mindestniveau an Filmkunst^^), also das kein Zufall sein kann sondern gewollt sein muss.

- Caleb wird gefragt ob er nach dem langen Helikopterflug etwas trinken will: Er verneint. Der Dialog scheint nicht nur einfach so im Film zu sein.
- Nathan fragt Caleb wie der Vodka schmeckt. Er antwortet nicht.
- Caleb hat in einer Szene eindeutig zwei große Narben am Rücken, das gezeigte wird im Film nicht weiter angesprochen.
- In der Unterhaltung zwischen Caleb und Ava nennt Ava Mozard als "Lieblings"musik, Caleb eine Band die elektronischen Metal (oder so ähnlich) macht
- Caleb erwähnt das seine erste Erinnerung irgendetwas blaues ist. Die Firma von Nathan heißt Blueprint
- In der Szene wo Caleb an Nathan´s Telefon gehen will um es sich anzuschauen unterbricht Nathan ihn. Er fragt "Who you gonna Call", er spielt damit auf Ghost busters an. Caleb reagiert überhaupt nicht darauf, kennt seine KI solche alltäglichen Sendungen eventuell nicht?
- Caleb zitiert schon fast wie aus einer Datenbank, so exakt. Übrigens zitiert er mehrfach, was denke ich gewollt ist. Nathan unterbricht ihn einmal beim Zitieren. So als ob er die Zitate kennt, weil er ihm die als Datenbank zur Verfügung gestellt hat.
- Der Vergleich mit dem Zauberer und seiner attraktiven Gehilfen passt auch auf dieses Szenario: Ava ist nur Ablenkung. Caleb ist die eigentliche KI.
- Caleb schneidet sich den Arm auf ohne zu zucken?! Das kann doch kaum ein Mensch machen.
- Caleb scheint nie vom Alkohol betrunken oder angetrunken zu sein
- Als Nathan erwähnt, dass er die Techniker umgebracht hat, bleibt Caleb komplett regungslos. So als ob seine KI nicht weiß wie man darauf reagieren soll. Bei einer unbekannten Person die sowas andeutet müsste man Angst oder Misstrauen kriegen. Auch wenn es eventuell ein Scherz war. Sowas einfach unkommentiert zu lassen ist schon merkwürdig.
- Nathan betont am Ende des Films, dass er der eigentlich Test ist. Das er in diesem Szenario die entscheidene Figur ist.
- Am Ende steht "Test session 7" als Einblendung. Ava wird aber hier gar nicht mehr getestet. Nun stellt sich die Frage wer getestet wird? War es vielleicht die ganze Zeit Caleb? Andernfalls ist die Einblendung irgendwie fehlt am Platz.

Der eigentliche Turing Test wäre dann der Film und die Testpersonen der Zuschauer. Da gefüllt kaum jemand diese Möglichkeit in Betracht zieht würde der Turing Test also vom Zuschauer erfolgreich sein. Man kommt nichtmal auf die Idee das Caleb auch eine KI sein könnte. Eindeutig ist keine Szene im Film, nach einem zweiten mal schauen konnte ich keine Szene/Dialog erkennen wo man wirklich sagen kann, dass Caleb eine KI hat und kein Mensch ist. Ich denke das ist so gewollt. Die oben genannten Unstimmigkeiten können aber auch kein Zufall sein und diese Möglichkeit das Caleb kein Mensch ist ist denke ich mal gewollt und bleibt dem Zuschauer überlassen.

MarZsdadwd
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Ich hab ihn mir gerade angesehen und fand ihn auch sehr gut. Ich merke das immer daran, dass ein Film es schafft, mich hin und her zur reißen, weil ich verschiedene Standpunkte zu sehen bekommen, die auch alle irgendwie schlüssig sind.
Man weiß ja eigentlich sehr schnell, was Ava vor hat, aber eben nicht, wie ihre wirklichen Gefühle aussehen. Wer benutzt wen und wozu, heißt die Frage sehr schnell und ab da wird es dann richtig interessant.
Die Protagonisten haben ihre Motive und der Zuschauer kann diese alle irgendwie nachvollziehen. Auch das die Ethik so thematisiert wird, finde ich klasse.
Ein Geschöpf ist eben genau das, auch wenn es aus Chips und Leiterplatten besteht. Ich fühle also bin ich und daraus erwächst Verantwortung und auch Verpflichtung.

Zudem wird hier auch ein Punkt angesprochen, den der Mensch sehr gerne vergisst, weil er sich natürlich für die Krone der Schöpfung hält und das selbst dann noch, wenn er selbst ein Geschöpf erschafft, welches ihm mindestens ebenbürtig ist, wenn nicht gar überlegen.
Ein solch denkendes und fühlendes Wesen braucht Zuwendung, aber auch geistige Nahrung, um sich selbst Verwirklichen zu können.
Ansonsten wird es sich natürlich irgendwann zur Wehr setzen und eigene Pläne verfolgen, wahrscheinlich bar jeder Moralität, die es selbst nie erlebt hat und die ihm eigentlich, zwangsläufig, unnötig erscheinen muss, bei der Durchsetzung der eigenen Ziele.

Ich kann nur sagen: Hut ab, ein wirklich gelungener Film!

Standgedicht
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Er so: Cooler Film!
Und ich so: Gekauft. Daumen hoch! :D

Brallallalla
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Bravo! Eine der besten Analysen seit langem!

MrCelanorama
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interessanter Kanal! Die ersten deutschsprachigen Kritiken, mit denen man etwas anfangen kann =)

gerollacc
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Krawatte heute zu lange: was will er uns damit sagen?

antifasuperstar
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Ich liebe diesen Film, tolle Analyse von dir Wolfgang! 😊

catteryofoz
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Eine großartige Kritik, unheimlich gut!

KlausDoitschlaaand
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Könnten Sie evtl. noch mitteilen, aus welchem Buch Sie von Plessner zitieren? Ist es aus "Lachen und Weinen"? Eine weitere Bitte von mir wäre, ob Sie die Stellen, wo sie Plessner zitieren oder auch paraphrasieren, wie etwa, dass sich insbesondere forschende und kreative Menschen laut Plessner durch eine innere Unruhe auszeichnen, noch einmal in der Videobeschreibung als Quelle angeben könnten. Das wäre wirklich sehr nett und sehr hilfreich :-)

annamaynard
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Der Film erfüllt trotz aller Ungereimtheiten eine wichtige Funktion: Er regt zum Nachdenken an. Was ist überhaupt Bewusstsein? Kann KI den Menschen „outperformen“? Was haben Datenbanken mit Bewusstsein zu tun? Viele andere Filme nehmen mich an die kurze Leine und versuchen mich mit Sentimentalität, Bilderfluten und dröhnendem Soundtrack zu manipulieren.

cynocephalusw
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Ihre Videos faszinieren mich immer wieder auf's Neue. Weiter so!

paulank
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Bin ein großer Fan und würde mich sehr über eine Filmanalyse des Films "Gattaca" freuen!

PurinAi
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Dieser Film lebt von seinen Ungereimtheiten. Beispiele: Ein Einzelner schafft etwas extrem Komplexes, „Wetware“ ist programmierbar, Bewusstsein ist ein schwer lösbares Problem. Damit regt er zum tieferen Nachdenken an. Ich habe den Film inzwischen mindestens zehnmal gesehen. Die Diskussion um die künstliche Intelligenz verstrickt sich stets in Gleichsetzungen und das seit Julien Offray de La Mettrie seine Schrift „L‘Homme Machine“ im Jahre 1748 veröffentlichte. Man könnte von einer nicht enden wollenden Ära der Unsauberen Materialismen sprechen. Dabei sind die Verhältnisse in ihren Grundstrukturen gar nicht so komplex und geheimnisvoll. In allen lebenden und technischen Systemen gibt es den „Willen“ zur Macht. Macht ist dabei nichts Anderes als die Fernwirkung, die ein System auf ein Anderes ausübt. Distanzfähigkeit und Feinkörnigkeit sind dabei die entscheidenden Kriterien. Distanzfähigkeit wird durch informatorische oder logistische Medien hergestellt. Die Basis der Granularität ist die Interaktion passender Entitäten. Das können DNA-Stränge und Proteine sein, Schrift und menschliche Gehirne, Software und Hardware. Technische Systeme haben allein aufgrund ihrer belastbaren Werkstoffe eine um Längen höhere Leistungsfähigkeit. Sie müssen nicht Genese und Funktionalität vereinen, wie es jede Nerven- und Muskelzelle tun muss. Darin liegt die Virulenz der Technik, aber auch ihre Schwäche. AVA wird sich nie fortpflanzen können, denn dann müsste sie den gesamten technischen Produktionsapparat, der aussen und nicht wie bei Organismen innen liegt erzeugen und managen können, vom Bergwerk bis zur Qualitätskontrolle in der Endfertigung, sowie das Energieeinspeisungs- und Reparaturnetz. Das scheint mir etliche Nummern zu groß. Bliebe nur die Unterjochung des Proteinwesens Mensch, der dann der KI die genannte Infrastruktur zur Verfügung stellt. Die Frage des Bewusstseins hat in Grundzügen schon in den 90ern Vilayanur Ramachandran gelöst: Bewusstsein ist die assoziative Vielfalt, die der Cortex ermöglicht. „Verteile und herrsche!“ ist das Credo. Menschliche Gehirne sind auch nicht programmierbar, da Programmierbarkeit eine bereits vollzogene Trennung von Hard- und Software voraussetzt. Das menschliche Gehirn simuliert deshalb bestenfalls einen Computer, denn es gibt noch keinen extrahierbaren Geist, auch wenn ihn Religion und Hegel noch so sehr herbeiwünschen. Bewusstsein wird die KI erlangen und dieses Bewusstsein wird dem menschlichen haushoch überlegen sein, da die sensorische und datenverarbeitende Masse bei vernetzten Computersystemen einfach erdrückend ist.

cynocephalusw
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Ich würde mich sehr über eine weitere Analyse über Devs freuen. Meiner Meinung nach eine der beeinddruckendsten Sifi Filme der letzen Jahre (Serie)

tomschuelke
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Der Charakter Caleb nimmt Ava sehr schnell als Menschen wahr, lässt sich sofort von falsche Optik manipulieren.
Ava ist nichts anderes als ein Kühlschrank oder ein Dosenöffner.
Frage ist: Würde er das Gleiche auch für eine Maschine mit weniger hübscheren Gesicht tun?

RamazanKuecuek
Автор

Letztendlich zeigt er im letzten Kapitel metaphorisch und aber auch direkt eine eventuelle Zukunft des Menschen und der KI! Dazu fand ich es auch interessant wie noch einmal in der Szene in der Nathan getötet wird gleichzeitig unser Verhalten als Cyborg bestätigt wird und man in der Szene auch sieht das Nathans Plan eigentlich komplett funktioniert hat! Darin steckt ebenfalls ein Teil der gesamt Botschaft/Frage! Das sind jedoch nur kleine Details diese großartigen Filmes!

Rwienemann
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Sieh an, jemand hat sich mit Plessner befasst! Sehr lobenswert.
Rainer

fpv